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Parabel: Der lieben Mutter
Die drei Söhne
Drei Frauen wollten am Brunnen Wasser holen. Nicht weit davon saß
ein Greis auf einer Bank und hörte zu, wie die Frauen ihre Söhne lobten.
"Mein Sohn", sagte die erste, "ist so geschickt, dass er alle hinter sich
lässt ..."
"Mein Sohn", sagte die zweite, "singt so schön wie die Nachtigall. Es gibt
keinen der eine so schöne Stimme hat wie er ..."
"Und warum lobst du deinen Sohn nicht?", fragten sie die dritte, als diese
schwieg.
"Ich habe nichts, womit ich ihn loben könnte", entgegnete sie. "Mein Sohn
ist nur ein gewöhnlicher Knabe. Er hat weder an sich noch in sich etwas
Besonderes..."
Die Frauen füllten ihre Eimer und gingen heim. Der Greis ging langsam
hinter ihnen her. Die Eimer waren schwer und die abgearbeiteten Hände
schwach. Deshalb machten die Frauen eine Ruhepause, denn der Rücken tat
ihnen weh ...
Da kamen ihnen drei Knaben entgegen.
Der erste stellte sich auf die Hände und schlug Rad um Rad und die Frauen
riefen:
"Welch ein geschickter Bub!"
Der zweite sang so herrlich wie die Nachtigall, und die Frauen lauschten
andachtsvoll und mit Tränen in den Augen.
Der dritte Knabe lief zu seiner Mutter, hob die Eimer auf und trug sie
heim ...
Da fragten die Frauen den Greis: "Was sagst du zu unseren Söhnen?"
"Wo sind eure Söhne?", fragte der Greis verwundert. "Ich sehe nur einen
einzigen Sohn!"
(Leo Tolstoi)
Die drei Söhne heute
Vor dem Supermarkt packen drei befreundete Mütter ihre Waren aus dem
Einkaufswagen in ihre Taschen. Die Taschen sind schwer und müssen erst
noch auf den Parkplatz zu den Autos getragen werden. "Komm, Uwe!" bittet
die erste Mutter ihren Sohn, "trage mir die schwere Tasche zum Wagen."
"Geht nicht, Mama!", entgegnet Uwe, "ich möchte mit meinem BMX-Rad noch
Kunststücke üben. Der Platz hier ist super!" Und schon führt Uwe
Kunststücke mit seinem Rad vor.
"Kann er das nicht toll?", fragt die Mutter ihre beiden Freundinnen.
"Aber du trägst mir doch die Tasche zum Auto?", bittet die zweite Mutter
ihren Sohn Heinz. "Tut mir leid, Mama!", ist die Antwort, "ich bin sehr
spät dran und habe Tina versprochen, das neue Computerspiel zu testen.
Also, tschüss!"
"Ja, diese Computerspiele sind gar nicht so einfach!", schwärmt die zweite
Mutter ihren Freundinnen vor. "Heinz hat eine Menge davon und beherrscht
sie alle ausgezeichnet. Er ist ein wahrer Computerspielekönig!"
"Gehen wir dann, Mama?", fragt plötzlich der dritte Sohn, nimmt die Tasche
seiner Mutter und trägt sie zum Parkplatz.
Ja, aber nur wenn ...
1. Mutter: "Sei so nett, und trage mir die schwere Tasche zum Auto!"
1. Sohn: "Ich bin doch kein Gepäckträger. Du musst dann schon - sagen wir
- einen Euro herausrücken!"
2. Mutter: "Kann ich meine Tasche auf dein Fahrrad stellen? Dann tue ich
mich leichter."
2. Sohn: "Sehr gerne Mama! Aber ich muss dann natürlich eine
Abnutzungsgebühr verlangen. Wie wäre es mit einer Tafel Schokolade?"
3. Mutter: "Trägst du mir die Tasche zum Parkplatz?"
3. Sohn: "Aber klar! Schließlich hast du ja alles für uns eingekauft!"
*
Ich finde die Geschichte sehr schön, zeigt sie doch worauf es wirklich
ankommt. Nur leider haben wir oft den Blick dafür verloren. Nicht selten
krämen wir uns, wenn unsere Kinder keine Supertalente zeigen. Aber glaubt
mir es liegt nicht daran, dass sie es nicht könnten. Sie haben sich
vielleicht etwas viel WICHTIGERES in diesem Leben vorgenommen, nämlich
z.B. mit uns zusammen wieder zu lernen wirklich zu LIEBEN (siehe
Anleitung zur SELBSTHEILUNG
www.puramaryam.de), füreinander da
zu sein, ohne die eigenen Bedürfnisse zu vergessen.
Die WAHRE LIEBE lässt uns dankbar sein für das, was andere Menschen für uns
tun.
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